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Bild von evang. Christuskirche mit Pfarrhaus 

evang. Christuskirche mit Pfarrhaus

Standort:Bochum 
Adresse:Lothringer Straße 29, Bochum-Gerthe
Architekt:Siebold, Karl
Baujahr:1909-1910
 
Die 1906 gegründete evangelisch-unierte Kirchengemeinde Gerthe begann 1908 mit der Planung zu einer eigenen Kirche mit Pfarrhaus, wobei schon sehr früh der Wunsch nach „durchaus moderner Weise“ für die Architektur formuliert wurde. Der Architekt Karl Siebold (1854-1937), in Bethel für die Bodelschwingh’schen Anstalten tätig und im Nebenamt Baumeister der evangelischen Landeskirche der Provinz Westfalen, lieferte einen Entwurf, der in der Kombination von romanischen Motiven und Jugendstil-Einflüssen einen bemerkenswert individuellen Charakter hat. Dazu trägt in der Fernwirkung vor allem die zweistufige, geschweifte, achtseitige Turmhaube aus Kupferblech bei, die zwar aus der Renaissance herleitbar ist, jedoch im Vergleich zu den zahlreichen romanischen, gotischen oder auch barocken Turmhelmen in der Region eine besonders auffällige, beinahe dynamisch zu nennende Linienführung zeigt. Im Innenraum setzt sich unter einer flachen Tonnenwölbung die vom Jugendstil befruchtete Romanik fort – auch wenn die nach der Reparatur der nicht unerheblichen Kriegsschäden in den 1950er Jahren vorgenommene gestalterische Modernisierung das Gesamtkunstwerk nachhaltig dezimiert hat, und die ursprüngliche Ausmalung des Kirchenmalers August Mause (1867-1913) erst seit 2003 schrittweise freigelegt und restauriert wird. Wie die politische Gemeinde Gerthe stand auch die Kirchengemeinde unter dem Einfluss des wichtigsten Industriebetriebes und größten Arbeitgebers am Platze, der Zeche „Lothringen“. Otto Gehres (1872-1932), der es vom Steiger der Zeche bis zum Vorstandsvorsitzenden des späteren „Lothringen“-Konzerns brachte, war zur Bauzeit auch Kirchmeister der Gemeinde und sorgte wiederholt für Unterstützung durch sein Unternehmen. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass verschiedene Bauten der Zeche und mit ihr unternehmerisch verbundener Firmen aus der gleichen Epoche eine für das Bochumer Baugeschehen vergleichbar auffällige und anspruchsvolle Architektur zeigen. Die in fußläufiger Entfernung gelegene, drei Jahre jüngere katholische Pfarrkirche St. Elisabeth bietet sich für einen Vergleich an – dessen Ergebnis als Einzelfall aber vor allem die Regel bestätigt, dass vor dem Ersten Weltkrieg der evangelische Sakralbau fortschrittlicher war als die Architektur des mehrheitlich in konservativen Kunstanschauungen verharrenden katholischen Klerus.
Quellen: - Bernhard Kerber: Bochums Bauten 1860-1940. Bochum: Brockmeyer, 1982. - Thomas Parent: Kirchen im Ruhrrevier 1850-1935. Münster: Ardey-Verlag, 1993. - Ulrich Althöfer: Der Architekt Karl Siebold (1854-1937). Zur Geschichte des evangelischen Kirchenbaus in Westfalen. Bielefeld: Luther-Verlag, 1998. - Christel Darmstadt (Hrsg.): Sakrale Baukunst in Bochum. Bochum: Schürmann & Klagges, 2003.
Ein Artikel unseres Autors Ulrich Bücholdt.
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