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altkatholische Friedenskirche

Standort:EssenLogo Werkbund Architektur
Adresse:Bernestraße 3, Essen
Architekt:Erbe, Albert
Baujahr:1914-1916
 
Der Architekt Dr.-Ing. Albert Erbe (1868-1922), Nachfolger von Edmund Körner (1874-1940) als Leiter des Hochbauamtes der Stadt Essen, erhielt 1912 von Wilhelm Holle, Oberbürgermeister der Stadt Essen 1906-1918, den Auftrag für die Altkatholische Gemeinde eine neue Kirche zu errichten. Erbe war viele Jahre erfolgreich in der Hamburger Bauverwaltung tätig. Das Grundstück liegt zwischen Berne- und Steeler Straße gegenüber der Alten Synagoge (1911/1913) und hinter dem Jahrhundertbrunnen von 1907. Gefordert war eine Ensemblewirkung unter Berücksichtigung der hervorgehobenen Stellung der Synagoge. Erbe hat das komplexe Bauprogramm von Gemeindehaus, Kirche, Turm, Schule, Wohnung und Läden als Winkelbau angeordnet, wobei der achteckige Turm als Scharnier zwischen Kirche und Pfarrhaus fungiert. Um die Baumassen und Höhen anzugleichen, wurde der Gemeindesaal als Sockelgeschoss der Kirche konzipiert. Die konkave Form der Kirche fügt sich in die konvexe Form der Synagoge. Bruchsteinmauerwerk auf der einen Seite und Backstein mit teils plastischen Bruchsteinelementen unterstreichen die jeweilige Eigenart der Gebäude. Farbenprächtig war in beiden Gebäuden die Innenraumgestaltung, ein Dreiklang aus Farbe, Glas und Mosaik. Die Synagoge zeigt heute ein neu entwickeltes Farbkonzept, während die Kirche abgesehen von den hohen Fenstern von Harry Mc Lean (1962) ihre alte Farbfassung wiederherstellen liess. Sie stammt von dem Niederländer Jan Thorn Prikker (1868-1932), dem Vater der modernen Glasgestaltung in Deutschland. Er war Mitglied in der von Karl Ernst Osthaus in Hagen gegründeteten Künstlerkolonie auf dem Hohenhof. Von dort wurde er als Dozent an die 1911 gegründete Handwerker- und Kunstgewerbeschule der Stadt Essen empfohlen. Ein weiterer Beleg für den Hagener Impuls in Richtung Essen. Zusammen mit Erbe, der für die feststehenden Teile der Innenraumgestaltung die Entwürfe geliefert hat, entstand als Farbraum ein ornamentaler KIrchenraum der Frühen Moderne im Sinn des 1907 gegründeten Deutschen Werkbunds. Osthaus war Gründungsmitglied, Erbe und Thorn Prikker Mitglieder ab 1913. Dieser sakrale Farbraum ist einzigartig in Deutschland. Die reformorientierte Altkatholische Gemeinde sah in diesem Kirchenbau eine willkommene Chance der Selbstdarstellung. Auch für die Stadt war die Kirche ein Refrenzobjekt als Großstadt der Moderne. Ende Juli 2010 wurde die im Krieg zerstörte Turmhaube nach den alten Plänen wiederhergestellt. Kuppelscheitel der Synagoge und Kirchturm haben ihre ursprünglichen Höhenmaße. Die Stadtmitte mit Johannes- und Münsterkirche hat an ihrer Ostseite eine neue Silhouette.
Quellen: folgt...
Ein Artikel unseres Autors Dr. Johannes von Geymüller.
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